Bernhard Quiel sagt: Ein weiteres Opfer der Wirtschaftskrise, der Arroganz und Willkür der Behörden und der Politik.
Trotz vieler Briefe an Behörden und Politik, wo Ihnen schwere Schicksale von Betroffenen direkt über ihre Lebenssituation berichtet wurden, hören wir nur über den Ähter der Medien von der Politik, dass alles ja nicht so schlimm sei. Wie schlimm muss es erst in diesem Land werden bis die Politik es als notwendig erachtet Menschen mit Behinderungen ein Leben in Anstand und in Würde zu ermöglichen. Hierfür kämpft Sternentaler mit all seiner Kraft um Menschen mit Behinderung den nötigen Respekt und ihre Würde zu geben.
Main-Spitze
Regionalnachrichten aus Ihrer Zeitung
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Sie weiß nicht, wie es weitergehen soll
Contergangeschädigte Frau wendet sich an Bundeskanzlerin / Großartiger Lebensmut
Vom 03.01.2009
RÜSSELSHEIM. Einfach war das Leben von Petra Linner (47) noch nie. Als vierfach contergangeschädigter Mensch war sie immer auf die Hilfe anderer angewiesen und hat dennoch ihr Leben gemeistert. Damit ist es nun wohl dank aktiven Zutuns des Finanzamtes vorbei.
Von
Detlef Volk
Ihre logopädische Praxis musste sie im Juni vergangenen Jahres schließen, da ein Weiterbetrieb durch Pfändungen des Finanzamtes nicht mehr möglich war. Jetzt soll auch noch das Haus zwangsversteigert werden. Dabei springe für die Staatskasse bei der Zwangsversteigerung außer weiteren Kosten nichts heraus. "Das muss schon eine persönliche Sache sein", vermutet Petra Linner im Gespräch mit der "Main-Spitze". Dieser Umstand und die Jubelhymnen aus dem Familienministerium zur Verdopplung der Renten für Contergangeschädigte auf nun 242 bis 1090 Euro im Monat hat Petra Linner veranlasst, in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin, den Bundespräsidenten sowie weitere Personen des öffentlichen Lebens ausführlich ihre Lebensumstände zu schildern.
Denn trotz der anerkannt schweren Behinderung - Linner hat keine Beine, verkürzte Arme, Schäden an Becken, Hüfte und Wirbelsäule sowie inneren Organen und mittlerweile erhebliche Folgeschäden - hat sie nie ihren Lebensmut verloren. Aktiv setzt sie sich auch als stellvertretende Landesvorsitzende für ihre Leidensgenossen ein.
Obwohl ihre Behinderung rein körperlich ist, verursacht durch die Nebenwirkungen des Arzneimittels "Contergan" der Firma Grünenthal, werde ihr von vielen Menschen auch eine geistige Behinderung unterstellt. "Ich werde immer wieder in die Schublade der Unfähigen gesteckt", sagt sie dazu. Dabei hat sie zwei Berufe erlernt und bis zum Konflikt mit dem Finanzsachbearbeiter vor zwei Jahren 13 Jahre lang als Logopädin in einer eigener Praxis gearbeitet. "Die Praxis sollte eigentlich meine Rente finanzieren", erzählt sie.
Um zu expandieren, waren Rückstellungen gebildet worden. Beim Finanzamt wurde allerdings nicht an Rückstellungen geglaubt, schildert sie
Leute
die Situation. Eine Steuernachzahlung in Höhe von rund 75 000 Euro wurden 2006 komplett eingefordert, Ratenzahlung oder ein persönliches Gespräch abgelehnt. "Davon wären jetzt schon 12 000 Euro abgezahlt, so sind es mit Zinsen über 100 000 Euro", schildert sie. Und weil die Zwangsvollstreckung angeordnet und die Zwangsinsolvenz beantragt wurde, ist es mit dem Geldverdienen seither Essig.
Auch das eigene Wohnhaus in Rüsselsheim will ihr das Finanzamt nun abnehmen. "Der Sozialneid ist in Deutschland riesengroß", musste sie erkennen. Im Haus war nicht nur die Praxis, sondern auch die Wohnung der eigenen Familie und des bettlägerig behinderten Vaters untergebracht. Mit vielen Umbauten versehen, damit sie sich mit ihrem Rollstuhl ein wenig frei bewegen kann. Dazu gehören etwa Aufzüge, wie sie bei einer Führung durchs Haus zeigt. Wie es weiter gehen soll, wissen weder Petra Linner, noch ihr Mann Oliver und ihr Sohn. Derzeit leben sie von Sozialhilfe und auch bei der"Arge" scheint sich niemand um eine behinderte Frau kümmern zu wollen. Ihr Mann kann selbst nicht arbeiten, muss seine Frau rund um die Uhr betreuen. Selbst der Gang zur Toilette ist ohne seine Hilfe nicht möglich.
Ihre Enttäuschung über diese gesamte Entwicklung ist sehr groß. Obwohl sie für ihre Behinderung nichts könne, anders etwa wie bei einem selbstverschuldeten Unfall, gebe es kaum Hilfe. Selbst für den rund 18 000 Euro teuren Elektrorollstuhl musste regelrecht gebettelt werden.
"Für die Banken wurde ein 500 Milliarden-Euro Rettungspaket aufgelegt, die Contergan-Opfer werden mit Almosen abgespeist", sagt sie. Dabei gehe es auch anders. In England werden 3500 Euro als monatliche Rente gezahlt, eine Verdopplung stehe an. In Italien gebe es 3900 Euro im Monat. Auch der deutsche Botschafter in London habe deutlich gezeigt, wie wenig Interesse er am Leiden seiner Landleute hat, schildert Linner ein Erlebnis. Bei einer Demonstration dort mit Teilnehmern aus ganz Europa seien alle anderen Landsleute von ihren Botschafter begrüßt worden. "Bei uns wurde nur hinter dem Vorhang rausgeguckt", meint sie traurig.