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Redakteur: Ex_Presso
Kategorie: Kultur
Veröffentlicht am: 11.03.2010 10:18

Mit „roter Mütze“ für die Kinder der Welt

Mit „roter Mütze“ für die Kinder der Welt

Auf dem Kopf trägt Charsten Wienbreyer eine „Mütze“ aus rotem Filz. Den stumpfen Kegel ziert eine Troddel aus schwarzer Wolle, die ihrem Träger verwegen über die Schultern fällt. Geziert wird dieser so genannte Fez von Halbmond, Stern und einem geschwungenen Breitschwert. Weit gefehlt aber hat, wer, angesichts der ungewöhnlichen Kopfbedeckung, an Karneval oder Fasching denkt. Charsten Wienbreyer ist der künftige Präsident des „Emirat Tempel“, dem europäischen Ableger des „Alten Arabischen Ordens der Edlen vom mystischen Schrein.“

„Das klingt geheimnisvoll, ist aber ein großer Spaß“, sagt Wienbreyer, denn tatsächlich wurden die „Shriner“ im Jahr 1871 als eine Wohltätigkeitsorganisation von amerikanischen Freimaurern gegründet, die den Gedanken, Geld für eine gute Sache zu sammeln, mit zahlreichen Freizeitaktivitäten verbunden haben. Nach Auskunft Wienbreyers hat sich an dieser Idee bis heute wenig geändert. Ziel der internationalen Shriner-Organisation ist es, Geld für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit schwersten Brandwunden oder Rückenmarks-Schäden zu sammeln. Die Versorgung erfolgt in entsprechenden Spezialkliniken der Shriner, vorwiegend in den USA, und ist für Patienten bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres absolut kostenlos.

Bis zur Eröffnung eines eigenen Krankenhauses in Europa sollen die, von den Mitgliedern des neu entstehenden „Emirat Tempels“ gesammelten Gelder für den Transport von Jugendlichen, vor allem aus osteuropäischen Ländern, in die bestehenden Krankenhäuser eingesetzt werden. Charsten Wienbreyer erklärt, dass vor allem in Süd- und Südosteuropa viele Menschen ohne den Schutz einer Krankenversicherung leben, der in Deutschland ganz selbstverständlich sei: „Im Falle besonders schwerer Erkrankungen gibt es für diese Patienten kaum eine Chance auf eine angemessene medizinische Versorgung.“ Besonders schwer seien von diesem Umstand Kinder und Jugendliche betroffen.

„Der Shrine ist eine Art von Service-Club, man könnte an Rotary International, Round Table oder der Lions Club denken“, erklärt Wienbreyer – nur dass es eben Freimaurer sind, die aus der Abgeschiedenheit ihrer Logen treten, um öffentlich und mit großem Vergnügen für das gemeinsame Ziel einzutreten. Anders als in der traditionellen Freimaurerei sind eine Fördermitgliedschaft und die meisten Aktivitäten der Shriner gleichermaßen für Frauen und Männer zugänglich. „Es geht um den Gedanken, dass jeder Mensch eine Verantwortung für seinen Nächsten hat“, sagt Wienbreyer. Und während die meisten Freimaurer versuchen, dieses Ideal unauffällig in ihrem persönlichen Alltag umzusetzen, setzen die „Edlen vom mystischen Schrein“ auf öffentliche Aktivitäten und ihren unübersehbaren Kopfschmuck.

Dass auch in der Metropolregion die Besucher von Festumzügen in absehbarer Zeit damit rechnen können, dass Shriner mit winzigen, feuerroten Automobilen und Motorrädern durch die Straßen rollen, bestätigt Wienbreyer auf Anfrage. In den USA gehören die roten Gefährte seit Jahren zu den festen Bestandteilen einer jeden größeren Parade zu wohltätigem Anlass.