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Kultur | 11.08.2009 15:25  Drucker

Berliner Doppelausstellung zu Cranach und den Hohenzollern


Presse-Information     

 

„Cranach und die Kunst der Renaissance unter den Hohenzollern“

Neuer Flügel, Schloss Charlottenburg, Berlin

 

„Kirche, Hof und Stadtkultur“

St. Marienkirche Berlin-Mitte

 

31. Oktober 2009 – 24. Januar 2010

Unter den Kurfürsten Joachim I. und Joachim II. hielt die Renaissance Einzug in die Mark Brandenburg. Berlin wurde endgültig Hauptresidenz und erlebte eine erste kulturelle Blüte. In einer Zeit tief greifender religiöser Umbrüche und bedeutender wissenschaftlicher Erkenntnisse trugen die Gemälde des renommierten sächsischen Hofmalers Lucas Cranach d. Ä. und seines Sohnes Lucas Cranach d. J. zusammen mit dem prächtigen Neubau des Berliner Schlosses zum „Image“ der Hohenzollern bei. Die teilweise großformatigen Bildtafeln aus der Wittenberger Werkstatt übten einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Künste in Berlin und Brandenburg aus. Ein großer Teil der Gemälde Cranachs für die Hohenzollern gelangte später aus dem Berliner Schloss in das Jagdschloss Joachims II. im Grunewald. Nach mehrjähriger Forschungsarbeit stehen sie nun im Mittelpunkt einer Ausstellung, die die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) in Kooperation mit der Evangelischen Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien veranstaltet. Mit über 200 Exponaten gibt die Schau erstmals Einblicke in diese frühe, dynamische Phase der brandenburgisch-preußischen Geschichte und Kunst. Dabei wird der Bogen von der Regierungsübernahme der Hohenzollern 1417 bis zum folgenreichen Übertritt des Herrscherhauses zum Calvinismus am Vorabend des 30jährigen Krieges gespannt.

 

Schloss Charlottenburg

An den Gemälden Cranachs und seiner Werkstatt wird in der Ausstellung „Cranach und die Kunst der Renaissance unter den Hohenzollern“ im Neuen Flügel des Schlosses Charlottenburg unmittelbar anschaulich, wie die Hohenzollern schon früh Politik und Religion, Kunst und Wissenschaft miteinander verknüpften. Im Rahmen eines Forschungsprojekts wurden die Bilder Cranachs eingehend im Hinblick auf Inhalt und Form, Maltechnik und Entstehungsprozess untersucht. Dabei konnten neue Erkenntnisse zur Bildfindung und Arbeitsorganisation der überaus produktiven Cranach-Werkstatt gewonnen werden.

Zu den gezeigten Werken gehören u. a. das vermutlich einzige autonome Selbstbildnis des Meisters, eine frühe Version der „Quellnymphe“ und die neun erhaltenen Tafeln des Passionszyklus aus dem alten Berliner Dom.

 

Mit einer Fülle weiterer Originale (Skulpturen, Druckgraphik, Kunstgewerbe, Archivalien, Bücher) werden der kulturgeschichtliche Kontext der Gemälde umrissen und die Leistungen ihrer Auftraggeber, der beiden Kurfürsten Joachim I. (1484-1535) und Joachim II. (1505-1571), dargestellt: die Positionierung der Familie als eine der mächtigsten Dynastien im Reich, eine um Ausgleich zwischen den politischen Lagern und Konfessionen bemühte Diplomatie und die durch Heiraten weitsichtig vorbereitete Erweiterung des Herrschaftsgebietes. In diesem Zusammenhang werden insbesondere Fragen des Kulturtransfers – vor allem aus dem benachbarten Sachsen und den fränkischen Gebieten der Hohenzollern – in die Mark Brandenburg herausgearbeitet

 

Die Ausstellung wird eröffnet mit dem um 1430 in Franken entstandenen Cadolzburger Altar, auf dem sich Friedrich I. bald nach Erlangung der brandenburgischen Kurwürde als Stifter darstellen ließ. Sie schließt mit Bild- und Schriftdokumenten zum Übertritt des Kurfürsten Johann Sigismund zum Calvinismus im Jahr 1613, der Konflikte mit der lutherischen Bevölkerung auslöste und zu einem konfessionellen Ausgleich führte, der die spätere Toleranzpolitik der Hohenzollern vorwegnahm.

 

St. Marienkirche

In der Marienkirche liegt mit dem Titel „Kirche, Hof und Stadtkultur“ der Schwerpunkt auf den politischen, religiösen, künstlerischen und gesellschaftlichen Wechselbeziehungen zwischen dem Hof und der städtischen Gesellschaft. Sie nimmt damit einen wichtigen Teil der residenzstädtischen Kultur Berlins im 16. Jahrhundert in den Blick.

 

Den Kern der Ausstellung bildet ein außerordentlich reicher Bestand an Kunstwerken aus den mittelalterlichen Stadtkirchen Berlin-Cöllns. Sie dienten der Repräsentation der bürgerlichen Eliten der Stadt und wurden bei Künstlern des kurfürstlichen Hofes wie dem Maler Michael Ribestein und dem Bildhauer Hans Schenck in Auftrag gegeben. Sie spiegeln nicht nur das in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts erreichte eigenständige Niveau der Berliner Kunst, sondern auch die heftig geführten theologischen Debatten dieser Zeit. In der Ausstellung sind dazu neben Urkunden und Briefdokumenten unter anderem des Reformators Philipp Melanchthon auch wertvolle Bände aus der Propstei- und Kirchenbibliothek von St. Nikolai und St. Marien, der ältesten Berliner Bibliothek, zu sehen.

 

Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich der Stellung der Kirchen im Gefüge der städtischen Strukturen und der Landesherrschaft. Leitthema ist hier die besondere Rolle der Kurfürsten als oberste Bischöfe des Landes, die sie nach Einführung der Reformation im Kirchenregiment ausübten. Wie sie dabei auch in Fragen der Schulbildung eingriffen, wird in der Ausstellung an der Frühgeschichte des Gymnasiums zum Grauen Kloster veranschaulicht, des ältesten und bedeutendsten städtischen Gymnasiums in Berlin.

 

In der Ausstellung erschließt sich ein facettenreiches Bild der frühneuzeitlichen Residenz- und Bürgerstadt Berlin, das angesichts der zahlreichen Veränderungen, Zerstörungen und Umbrüche im heutigen Stadtbild kaum noch zu erahnen ist.


SERVICE

 

„Cranach und die Kunst der Renaissance unter den Hohenzollern“

 

Berlin, Schloss Charlottenburg – Neuer Flügel

31. Oktober 2009 – 24. Januar 2010

 

Geöffnet: Mi – Mo von 10 bis 17 Uhr

Eintritt: 8 Euro / ermäßigt 6 Euro

(inkl. Audioguide in dt. + engl. und Audioguide speziell für Schüler)

 

„Kirche, Hof und Stadtkultur“

St. Marienkirche, Berlin Mitte

 

Geöffnet: Mo – Sa von 10 – 18 Uhr, So von 12 - 18 Uhr

(Änderungen bei Sondergottesdiensten und Konzerten vorbehalten)

Eintritt frei

 

Mit dem 31.10. 2009 nimmt die neu gegründete „Stiftung kirchliches Kulturerbe“, die sich die Pflege und Erforschung der alten Berliner kirchlichen Kunst zur Aufgabe macht, ihre Arbeit auf. Anstelle eines Eintritts begleitet eine Spendenaktion zum Aufbau der Stiftung die Ausstellung.

 

Eine Ausstellung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg in Kooperation mit der Evangelischen Kirchengemeinde St. Petri - St. Marien, diese in Kooperation mit dem Geisteswissenschaftlichen Zentrum für Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig und dem Landesdenkmalamt Berlin

 

Zu beiden Ausstellungen gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm

 

Weitere Informationen

SPSG-Besucherzentrum an der Historischen Mühle, Potsdam

Tel.: +49 (0)331.96 94-200

info@spsg.de

www.spsg.de/cranach 

www.marienkirche-berlin.de

 

Begleitband

„Cranach und die Kunst der Renaissance unter den Hohenzollern. Kirche, Hof und Stadtkultur“

Ca. 272 Seiten mit ca. 327 Farbabbildungen, 22 x 27 cm, Deutscher Kunstverlag, in der Ausstellung 29,90 Euro, im Buchhandel 34,90 Euro, ISBN: 978-3-422-06910-7 

Gefördert durch die Kulturstiftung der Länder sowie die Ernst von Siemens Kunststiftung

Unterstützt durch die Wall AG

Unsere Medienpartner: rbb Fernsehen │ rbb Kulturradio │ tip Berlin │ DAMALS - Magazin für Geschichte und Kultur │ Landau Media

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 Informationen

Quelle: spsg.de
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