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Kultur | 20.04.2008 18:33  Drucker

Drei Secondos - Auf der Suche nach Identität


Drei unterschiedlich aufgewachsene „Secondos“ treffen sich zufälligerweise im Flughafen Zürich auf dem Weg nach Nordafrika, der Heimat ihrer Väter.  Die junge Fatima ist Tochter eines Tunesiers und einer Schweizerin. Ihr Vater verließ die Familie, als sie erst ein Jahr alt war. Im Alter von dreißig Jahren macht sie sich auf eine Reise, von der sie nicht viel erwartet: sie will lediglich ihren Vater finden, ihm ihre Meinung sagen und zurückkehren. Yves ist ebenfalls Sohn eines Tunesiers und einer Schweizerin und fliegt auf Drängen seines Vaters nach Djerba, um seine Großmutter wiederzusehen, die ihn letztmals als Jugendlichen gesehen hatte. Schließlich fliegt Khaled, Sohn zweier tunesischer Gastarbeiter, mit demselben Flug nach Djerba. Er will in Ben Guerdane seine Verlobung feiern. Diese drei individuellen Geschichten zwischen Tunesien und der Schweiz, zwischen zwei Kulturen und Traditionen, werden vom Autor sorgfältig und mit viel Gefühl für diese aktuelle Problematik beschrieben …

In seinem vierten Buch mit dem Titel „Drei Secondos – Auf der Suche nach Identität“ widmet sich Amor Ben Hamida, selbst Vater zweier Söhne aus bikultureller Ehe, einem brisanten und hochaktuellen Thema: Migration und Integration der zweiten, in Europa geborenen oder aufgewachsenen Generation ausländischer oder gemischter Paare. Dabei kommen die verschiedenen Kulturen, die Sprachen, die Religionen und Lebenseinstellungen der Herkunftsländer und der neuen Heimat der Secondos zur Sprache.In seinem Roman erzählt er die Geschichten dreier junger Menschen, die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen sind und nun eine Reise in die Heimat ihrer Eltern, Tunesien, antreten. Die Motive sind verschieden, ihre Kindheit und Jugend auch, doch die Gemeinsamkeit ist eben dieses Land, diese Kultur, die sie kaum kennen, diese Sprache, die sie nicht verstehen. Die drei Secondos erzählen aus ihrer Sicht die Erlebnisse, Gefühle und Eindrücke ihres bikulturellen Lebens. Der Autor lässt aber gleichzeitig andere Familienmitglieder zu Wort kommen. Er zeigt damit die krassen Unterschiede in der Wahrnehmung und Beurteilung der gleichen Tatsachen, je nachdem, ob man diesseits oder jenseits der Kulturgrenzen steht.
                    In seinem Buch „Drei Secondos“ verarbeitet Amor Ben Hamida das Thema der Integration und ihrer Grenzen und versucht dabei, beide Seiten zu mehr Verständnis und Akzeptanz der jeweils anderen zu bewegen.Die Schicksale dieser drei jungen Menschen sind bezeichnend und millionenfach in ganz Europa vorhanden. Amor Ben Hamida ist überzeugt, dass die Ausgrenzung der zweiten Generation ein großes soziales Risiko birgt und dass auf der anderen Seite gerade die zweite und dritte Generation einen großen Reichtum für die ganze Gesellschaft darstellt.

 
 Aus dem Vorwort:Liebe Secondos!Seht ihr? Man hat für euch schon einen Namen erfunden. Ihr seid nicht die Primos. Die Ersten sind in der Regel bessergestellt als die Zweiten, in jedem Spiel, aber das Leben ist eben kein Spiel und daher seid ihr, die Secondos, besser angesehen als eure Väter, die Primos. Von euch erwartet man, dass ihr besser angepasst seid als eure Väter. Ihr habt es aber am schwersten. Wir, eure Väter, können jederzeit sagen,
wir wollen uns nicht anpassen, weil wir nur in Transit sind in Europa. Ihr aber, was wollt ihr für Argumente bringen? Dass eure Eltern euch nach ihren Prinzipien und Traditionen erziehen wollen? Das ist, wie wenn ich in einem Boot sitze und mich weigere, schwimmen zu lernen, weil ich ursprünglich aus der Wüste stamme! Ihr habt eben keine Entschuldigung und keine Ausrede für Nicht-Integration. Ihr werdet hin- und hergerissen; einerseits zieht euch die Familie eures Vaters zu sich, will, dass ihr nach ihren Traditionen lebt, wünscht sich, dass auch ihr dieses Europa als vorübergehendes, notwendiges Übel anseht und bald wieder zu ihnen kommt. Andererseits werdet ihr von euren Freunden, Schulkameraden, Arbeitskollegen zur Teilnahme an ihrem kulturellen und sozialen Leben eingeladen und ermutigt.Eure Sandwich-Position ist schwerer zu ertragen als unsere, denn wir haben uns bereits für die eine oder andere Seite entschieden. Ihr aber steht ständig unter diesem Einfluss der beiden Kulturen, die euch für sich gewinnen wollen. Es ist falsch, nur in der Wüste leben zu können und sich doch ins tiefe Meer zu getrauen. Genau so falsch ist es, ein guter Schwimmer zu sein, aber die Hitze der Sahara nicht zu ertragen. Ihr, die Secondos, tragt eben beides in euch: Sand und Wasser, heiße Sonne und kühlen Schatten, ihr seid eigentlich die Gewinner, die Ausgeglichenen, die mit den beiden Kulturen im Herzen.So lange ihr klein seid, wird irgendjemand über eure Zukunft entscheiden. Vergebt, wenn der Entscheid falsch war. Das geht allen Eltern so. Aber wenn ihr groß genug seid, entscheidet selber. Es ist nie zu spät. Und es ist nie schwer, sich in die Mitte zu setzen, denn von beiden Extremen aus gesehen liegt die Mitte am nächsten!Ihr habt eine reiche zweite Heimat. Ihr habt mehr als jene dort und mehr als diese hier. Ihr seid Träger zweier Kulturen, ihr seid die idealen Vermittler. Das ist eine edle und noble Aufgabe. Nehmt sie wahr. Verteidigt und erklärt, auf beiden Seiten. Um es mit einer leichten arabischen Übertreibung zu sagen: Ihr seid die Hoffnung dieser sich globalisierenden, sich geographisch näherkommenden, aber intellektuell und kulturell auseinandergleitenden Welt! Denn ihr seid die grauen Elemente in einer schwarz-weißen Anhäufung! Das Schwarz kann niemals von sich aus heller werden, so wie das Weiß von sich aus nicht dunkler wird. Ihr aber tragt je eine Hälfte dieser Farben. Das kann euch niemand nehmen!Und seht es doch von der richtigen Warte aus: Hier werdet ihr beneidet um eure schöne Mischlingshaut, dort werdet ihr beneidet um eure Gesundheit, euer gutes Aussehen, eure Fähigkeit, eine andere Sprache zu sprechen. Neid, meine jungen Freunde, ist ein gutes Zeichen – für den Beneideten! 
Klappentext:Yves: Ich hole uns noch was zu trinken, was möchtet ihr?Fatima: Ich nehme jetzt gern ein Glas WeißweinKhaled: Du trinkst Alkohol?Fatima: Ja, etwas dagegen?Khaled: Nein, ist deine Sache. Ich dachte nur … du bist doch Muslimin!Fatima: Nein, bin ich nicht. Ich bin konfessionslos.Khaled: Aber das ist nicht möglich. Nach islamischem Recht bist du Muslimin, wenn dein Vater Moslem ist.Fatima: Verlässt nach islamischem Recht ein Vater seine einjährige Tochter?Khaled: Schweigen …Fatima: Also!Khaled: Und was hast du für einen Glauben, Yves?Yves: Ich bin getauft und beschnitten.Khaled: Das verstehe ich nicht, dein Vater ist doch auch Moslem. Warum ließ er dich taufen?Yves: Weil meine Mutter Christin ist. Darum. Deine Eltern sind beide Moslems, du bist sicher Moslem.Khaled: Natürlich!Yves: Was soll ich dir bringen?Khaled: (leicht verwirrt) Einen Kaffee, bitte.Yves: Okay.
 
 Buchdaten: Erscheinungstermin: Juni 2008 220 Seiten Euro 16.50 – ca. CHF 29.00 ISBN 978-3-8334-8670-8 Für Vorbestellung  von Besprechungsexemplaren und Medienkontakte: amor@benhamida.ch www.benhamida.chAmor Ben Hamida, geboren 1958 in Medenine (Süd-Tunesien), lebt und arbeitet in Zürich. Er wuchs im Kinderdorf Pestalozzi, Trogen, auf, wo er mit Kindern aus verschiedenen Nationen, Religionen und Sprachen zusammen gelebt und schöne Kindheitserinnerungen behalten hat. Sein Leben wurde durch diese Erfahrung von Toleranz und multikultureller Umgebung geprägt. Er gibt seine Erfahrungen mit Integration in Büchern, Referaten und Lesungen weiter.

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  • - 01.01.1970 01:00

 Informationen

Quelle: benhamida.ch
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