Die Präsidentenwahlen in Turkmenistan, die für den 12. Februar dieses Jahres angesetzt sind, bringen lt. aktuellen Meldungen aus informierten Kreisen neue Verfolgung und Bedrohung für Geldy Kyarisow, den ehemaligen Direktor der staatlichen Organisation „Turkmenische Pferde“ und international berühmten Züchter des Achal Tekkiners.
Geldy Kyarisow, 61, ist ein weltbekannter Experte und Züchter einer uralten Pferderasse, des Achal Tekkiners. Diese extrem seltene Rasse ist der Stolz Turkmenistans, Quelle seiner nationalen Identität, Teil des Staatswappens und jeder Banknote der Währung des Landes aufgedruckt.
So war seine Ernennung zum Direktor der staatlichen Vereinigung Turkmenatlary (Turkmenische Pferde) mehr als nur ein symbolischer Akt der Anerkennung durch den früheren Präsidenten Saparmurat Nijasow.
Kyarisow nutzte sein Wissen und seinen Einfluss, um die Rasse, die in der Sowjetzeit sehr gelitten hatte, wieder zu konsolidieren und setzte große Anstrengungen darin, die Reinheit dieses kulturellen Erbes zu erhalten.
Dies scheint eine ernste Irritation unter anderen Züchtern ausgelöst zu haben, Geschäftsleuten, die in erster Linie an Turkmenistans Pferderennindustrie interessiert waren, und welche den Achal Tekkiner durch die Einkreuzung von Englischen Vollblutpferden schneller machen wollten.
Der Konflikt dürfte Kyarisow die Gunst des „Turkmenbaschi“ gekostet und schließlich zu seiner Verhaftung im Jänner 2002 geführt haben. Vorgeworfen wurden ihm Amtsmissbrauch und grobe Fahrlässigkeit.
Nach einem von Amnesty International für höchst fragwürdig erklärten Verfahren wurde er im April 2002 zu sechs Jahren Haft verurteilt.
Während dieser Zeit wurde er Berichten zufolge psychisch und physisch gefoltert, seiner Familie gegenüber für tot erklärt, erlitt einen Schlaganfall und kam 2007 in einem sehr schlechten Gesundheitszustand wieder frei.
Die internationale Aufmerksamkeit, die sein Fall erregt hatte und die Unterstützung von Freunden im Ausland retteten ihm vermutlich das Leben.
Seither hat aber auch der neue politische Führer, Präsident Gurbanguly Berdymukhammedov, weder Kyarisow, noch seiner Frau Julia Serebriannik und ihrer Familie eine Chance gegeben, sich zu erholen.
Wie aus Russland berichtet wird, wurde im März 2010 Kyarisows Gestüt mitsamt seiner wertvollen Zuchtpferde vom Staat konfisziert. Dies beraubte die Familie jeder Möglichkeit, selbst ein Einkommen zu erwirtschaften - Kyarisow und seine Frau dürfen angeblich in Turkmenistan nicht arbeiten.
Darüber hinaus gibt es von der Familie immer dringlicher werdende Hilferufe, da der psychologische Druck durch eine permanente Überwachung ihres Hauses erhöht werde: durch die Polizei, die sie auf Schritt und Tritt verfolge, durch Mitarbeiter des Ministeriums für Nationale Sicherheit, die Besucher, die mit der Familie in Kontakt treten wollen, vor dem Haus abfangen würde und ihnen mit schlimmen Konsequenzen drohe, sollten sie hineingehen.
Kyarisows Frau sieht sich einem Gerichtsverfahren wegen angeblich „unrechtmäßiger Aneignung“ des Gebiets ihres ehemaligen Gestüts konfrontiert. Der Staatsanwalt drohe ihr mit Gefängnis, sollte sie sich weigern, diesbezügliche Papiere zu unterschreiben oder den Fall international öffentlich machen.
Trotz allem dürfen weder Kyarisow, noch seine Frau, Tochter und Schwägerin das Land verlassen.


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