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Schlagzeilen | 17.12.2010 16:04  Drucker

Mögen Modemacher Mode?


Unser Verhältnis zur Mode ist nicht immer ganz ungetrübt. Sie verändert sich schnell, ist schwer vorauszusagen und zwingt uns, einen wesentlich größeren Teil unseres Einkommens in Kleidung zu investieren, als es sonst nötig wäre. Dennoch unterwerfen wir uns ihr meist gerne. Und was Man(n) von heute so anzieht, ist oft genug gerade im Bereich der „klassischen“ Herrenmode ohnehin kaum diskutabel.


Da verwundert es, dass ausgerechnet diejenigen, die es wissen müssten, und denen wir einen Großteil all unserer schnelllebigen Modetrends verdanken, eben jener Mode, die sie am Leben erhält, meist nicht viel abgewinnen können. So meinte zum Beispiel die große Coco Chanel, Begründerin eines Modelabels von Weltruhm: „Ich bin gegen Mode, die vergänglich ist. Ich kann nicht akzeptieren, dass man Kleider wegwirft, nur weil Frühling ist.“

Nun, was sie hier so prägnant auf den Punkt bringt, ist im Bereich der klassischen Herrenmode geradezu zum Grundprinzip geworden, seitdem von der Savile Row aus das Konzept der Permanent Fashion seinen Siegeszug angetreten hat. Dessen Kernaussage ist einfach: Kleidung, die schlicht ist und perfekt an Körperproportionen und Typ ihres Trägers angepasst wurde, kommt nicht wirklich aus der Mode, weil sie ihrem Besitzer einfach steht.


Denn darum geht es: Kleidung soll eben nicht nur modisch sein, sie soll auch zur Person passen. Und das bezieht sich nicht nur auf die Größe. Perfekte Produkte können an manchen Menschen einfach grauenvoll aussehen. Vivienne Westwood, ebenfalls Modeikone, brachte es 2005 auf den Punkt:

„Ich unterscheide zwischen wirklicher Mode und dieser grauenvollen Massenproduktion. Die Leute kaufen sich schreckliche Klamotten, die nichts mit ihrer Persönlichkeit zu tun haben. Letztlich sehen neunzig Prozent der Menschen heute wie uniformiert aus."


Selbst der große Karl Lagerfeld stellte fest: „Eleganz hat überhaupt nichts mit Mode zu tun.“ Wobei gerade manche Accessoires und Kleidungsbestandteile manchen der Modezaren ein Dorn im Auge sind. So meinte zum Beispiel Gianni Versace 1990, die Krawatte sei keine Gewähr mehr für Gesellschaftsfähigkeit, da „jeder Bandit sie trage“, und erntete damit heftigen Protest. Überraschend, ging er doch nur geringfügig über den Kommentar seines Kollegen Armani hinaus, der gemeint hatte, ein Mann brauhce heute keine Krawatte mehr, um gut aszusehen. Immerhin billigte er ihr aber noch die Rolle eines „dekorativen Details“ zu. Und vielleicht würde die Herrenmode profitieren, wenn wir uns wieder ins Gedächtnis rufen würden, dass Mode genau das sein sollte: ein Schmuck, nicht eine Diktatur.

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