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Wirtschaft | 14.12.2010 15:48  Drucker

Was perlt da im Glas...


Ein Blick in die Welt der Reichen und Schönen war schon immer ein zweischneidiges Schwert. Wer Tag für Tag im Büro sitzt und hinterher im Kleinwagen oder mit dem Bus zurück in seine kleine Mietwohnung fährt, schielt schon mal sehnsüchtig auf „die da oben“, die auf Empfängen in Grüppchen beieinanderstehen, die Herren im maßgeschneiderten Brioni-Anzug, die Damen im Samtkleid mit zentnerschweren Perlenketten, passendem Ohrschmuck und brilliantbesetzten Diademen. Man tauscht Klatsch und Tratsch aus und schlürft aus edlen Kristallgläsern Champagner, dessen Wert für andere Leute ein Monatsgehalt wäre. Jedenfalls ist dies die Klischeevorstellung, die wir oft genug in unseren Köpfen mit uns herumschleppen.


Nun, dass das Luxusleben nicht so süß ist, wie wir es uns gerne vorstellen, steht auf einem anderen Blatt. Der wachsende Absatz an Klatschblättern und Highsociety-Kolumnen zeigt aber doch ein Bedürfnis, sich in jene Menschen hineinzuversetzen, an deren Stelle man gerne wäre. Und zu gerne würde man diese Sehnsucht auch im Äußeren zum Ausdruck bringen. So gönnt sich manche Dame ein Paar Schuhe, die mehr wert sind als ihr ganzes sonstiges Outfit zusammen, und so mancher Herr bekommt den besonderen Kick dadurch, am Wochenende mit dem großen Jaguar über Land zu fahren – auch wenn er nur gemietet ist.


Nun, zumindest eines dieser Statussymbole ist inzwischen auch erschwinglich, wenn man nicht zu den oberen Zehntausend gehört. Denn wurden Perlen vor ein paar hundert Jahren noch mit dem Wert ganzer Königreiche gehandelt, so veränderte das Aufkommen der Zuchtperle im 19. Jahrhundert die Situation für immer. War es früher nötig, aufwändig und oft unter Lebensgefahr nach Perlen zu tauchen, so konnte man sie nun quasi anbauen. Ein schwieriges Geschäft blieb die Perlenzucht dennoch, denn sie verlangt ungeheures Fachwissen und enorme Geschicklichkeit von den Züchtern.


Auch wenn manche Exemplare von Zuchtperlen immer noch Höchstpreise erzielen, können Sie sich, wenn Sie das nächste Mal in die Oper gehen, den Hals mit einer Perlenkette schmücken – und sich ein wenig wie die königlichen Hoheiten fühlen, deren Privileg dieser königliche Schmuck früher war.

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