
„Die Lust am Basteln hat mich nie verlassen“, sagt Harald Schwindt mit großen Augen. Die glänzenden Pupillen verschwinden, als der 54-Jährige den Kopf dreht und die Bügel seiner schwarzen Lupenbrille, die selbst kleinste Unebenheiten auf einem erbsengroßen Stück Keramik sichtbar macht, über die Stirn schiebt. Ein feiner Regen grauen Schleif-Staubes fängt sich dabei in den Brauen und auf der Oberlippe des Zahntechniker-Meisters, dem es – nach eigenen Angaben - gelungen ist in 20 Jahren das Beste aus jedem Tag zu machen.
1990 hatte Schwindt in Landau sein erstes eigenes Dental-Labor gegründet. „Daran hätte keiner meiner Lehrer geglaubt“, schmunzelt der passionierte Motorradfahrer, der Anfang der 1970er Jahre, ausgerüstet mit langen Haaren, einem Herkules-Kleinkraftrad und dem „durchschnittlichen Zeugnis“ der Mittleren Reife am liebsten weiter „Moped geschraubt“ hätte.
„Ich hatte keine Vorstellung davon, was ich mit meinem Berufsleben anstellen sollte“, sagt Schwindt und so waren es die Eltern, die der Leidenschaft des einzigen Sohnes für Schraubendreher, Bohraufsätze und Schleifpapier eine neue Richtung gegeben hatten. Herausgekommen ist ein überregional tätiges Zahntechnik-Labor mit 35 Mitarbeitern und selbstständigen Niederlassungen in Herxheim und Bad Bergzabern. In diesem Sommer haben drei neue Auszubildende eine Lehre in Büro und Labor an dem Landauer Hauptsitz des Unternehmens begonnen. Für die jungen Mitarbeiter ist Harald Schwindt ein Ansprechpartner, wie jeder andere Kollege auch.
„Das ist wichtig“, sagt Schwindt, „denn unser Berufsbild hat sich in den letzten Jahren geändert.“ Waren Zahntechniker – zur Zeit der eigenen Lehre – vor allem Handwerker, die in abgeschiedenen Werkstätten ihrer Kunst nachgingen, bereiten sich Berufsstarter heute auch darauf vor, Zahnärzte und Patienten in der Beratung zu unterstützen. Entsprechend stehen vier Kleinwagen bereit, damit die Zahntechniker des Labors auf Zuruf helfen können, wenn die persönliche Beratung eines Patienten gefragt ist, während dieser noch auf dem Stuhl eines Zahnarztes in der Umgebung sitzt.
Die Orientierung an den Wünschen des Kunden sei, neben handwerklichem Geschick, persönlichem Fleiß und dem Willen, die Belastungen einer 60-Stunden-Woche zu bestehen, ein Schlüssel zum Erfolg der Labor-Familie, die 2004 neue Geschäftsräume in der Oberwiesenstraße 1 bezogen hat. Die rund 400 Quadratmeter, die neben Labor und Lager auch eine Zahnarzt-Einheit für Farb-Abstimmungen eines neuen Zahnersatzes beherbergen, teilen sich Schleifmaschinen, Brennöfen und Bunsenbrenner mit drei historischen Renn-Motorrädern. Sieben weitere Maschinen warten in einem Anbau darauf, dass Harald Schwindt die Ruhe findet, CAD-Computer und Lupenaufsatz gegen Schraubenschlüssel und Staubschutzbrille einzutauschen.
Zeit habe er für sein altes Hobby eigentlich nicht – trotzdem aber packt den Landauer von Zeit zu Zeit das Rennfieber. Wenn das Wetter stimmt, lädt Schwindt sein Triumph-Motorrad auf den Anhänger, stellt zwei Kisten Bier in den Kofferraum und lässt an einem langen Wochenende - gemeinsam mit einigen anderen, grauhaarigen Zweirad-Enthusiasten - die Seele baumeln. Während der Wintermonate - wenn Schnee und Regen der Rennsaison in Deutschland ein Ende gesetzt haben – nutzt Schwindt die freie Zeit und reist mit einer Gruppe von Zahnärzten nach Chile. Dort engagiert sich der Unternehmer seit 2003 für die Zahngesundheit der Bevölkerung in den abgelegenen Regionen des Landes. „Der Betrieb läuft auch ein paar Tage ohne mich“, sagt Schwindt mit einem Augenzwinkern. Aber nach einigen Wochen packt den Pfälzer dann doch wieder die Sehnsucht nach „Käschde und Woi.“ Und dann ist Harald Schwindt am Montag wieder der Erste, der die Türen des Landauer Labores aufschließt; denn schließlich geht es darum, aus jedem Tag das Beste zu machen.


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