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Skurriles | 12.04.2010 15:26  Drucker

Hoffen auf Alois: Regensburger Bischof setzt auf Katholiban und Dienstmann Nummer 172


Hoffen auf Alois: Regensburger Bischof setzt auf Katholiban und Dienstmann Nummer 172

Mit Aussitzen und Totschweigen reagiert der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller bislang auf Stimmen, die auf eine Stellungnahme des Kirchenfürsten im Blick auf gesellschaftsfeindliche Parolen hoffen, die Müller während eines Italien-Aufenthaltes geäußert haben soll. Nach einer Absage an die Freiheit der Berichterstattung im Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen gegen Amtsträger der katholischen Kirche seien auch die Mitglieder humanistischer Vereinigungen in das Visier des umstrittenen Kirchenmannes geraten: Gegenüber der Zeitung „La Stampa“ habe Müller eine Äußerung von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, nach der die katholische Kirche in Fällen sexuellen Missbrauchs nicht konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeite, durch den Hinweis abgewertet, dass die FDP-Politikerin einer konfessionell unabhängigen Bürgerrechts-Organisation angehöre. Die Ministerin sei Mitglied der Humanistischen Union, „eine Art Freimaurerei“, die „Pädophilie als normal ansieht und sie entkriminalisieren möchte.“

Die zitierten Anwürfe, die einen Vergleich zwischen der aktuellen Berichterstattung mit der kirchenfeindlichen Propaganda zu Zeiten der NS-Diktatur nahe legen würden, hatten den Protest zahlreicher Politiker hervorgerufen: Nach Ansicht der Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, seien die Aussagen Müllers geeignet, um Geschichtsfälschung damit zu treiben. Der Münchner SPD-Vorsitzende Hans-Ulrich Pfaffmann bezeichnete die Äußerungen des Kirchenfürsten als ein „wehleidiges Ablenkungsmanöver“, das die Opfer von Missbrauch und Misshandlung während 2000 Jahren Kirchengeschichte als einen „Tritt ins Gesicht“ empfinden könnten. Informierte Kreise werten es zudem als ein erschreckendes Signal, dass die mutmaßlichen Anleihen des Kirchenfürsten an dem Gedankengut der ludendorffschen Verschwörungsideologien durch das Stillschweigen des amtierenden Papstes gedeckt werden. Offenbar sei es das Ziel von Papst Benedikt, einer zunehmend humanistisch geprägten Gesellschaft in Europa durch religiöse Eiferer zu begegnen, die das Potenzial haben, extreme Kräfte innerhalb des Kirchenvolkes, so genannte Katholiban, um sich zu scharen.

In einer Stellungnahme hatte die Humanistische Union den Bischof zu einem öffentlichen Widerruf aufgerufen und mit juristischen Folgen gedroht und auch ein offener Brief der Freimaurer-Vereinigung der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland hatte dem Kirchenfürsten nahe gelegt, die zitierten Ansichten zu überdenken und diese, im Falle verspäteter Einsicht, zu korrigieren. Offenbar aber wartet der Regensburger Oberhirte noch immer auf göttliche Eingebung, denn eine klärende Stellungnahme des Bischöflichen Ordinariates liege bislang nicht vor, erklärten Sprecher beider Organisationen auf Nachfrage.

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