
„Es klingt seltsam“, sagt Anne Schmitt, „aber auf eine besondere Art ist das hier eine große Familie“. Seit Ende Februar beobachtet die junge Frau die Arbeit an den vier chirurgischen Kliniken des Städtischen Krankenhauses in Pirmasens. Die so genannte Famulatur ist Teil des Medizin-Studiums, das Anne Schmitt seit sieben Semestern an der Universität Homburg absolviert. Ziel solcher Betriebs-Praktika ist es, den angehenden Ärzten einen Einblick in die tägliche Arbeit ihres künftigen Berufsfeldes zu geben. Dass dieses Ziel im Falle von Anne Schmidt und fünf weiteren Famulanten, die seit dem Jahresbeginn Praktikumsplätze am Städtischen Krankenhaus Pirmasens belegt hatten, erreicht wurde, bestätigt die 23-Jährige mit leuchtenden Augen.
Als „junge Kollegin“ hatte Anne Schmitt den „richtigen Ärzten“ nicht nur bei Operationen assistiert: „Wir haben neben der täglichen Arbeit einen theoretischen Unterricht bekommen, quer durch alle Fachbereiche “, berichtet die Studentin begeistert. Das sei ein Angebot, das selbst an großen Universitäts-Krankenhäusern nicht selbstverständlich, für ein Haus der gehobenen Grund- und Regelversorgung aber vollkommen ungewöhnlich sei. Überrascht zeigt sich die junge Frau auch von der Vielfalt der medizinischen Angebote, die das Städtische Krankenhaus seinen Patienten in Diagnose und Therapie bietet. „Die meisten Menschen erwarten von einem Krankenhaus, dass man sie dort irgendwie gesund macht“, sagt Schmitt, „dabei vergessen die meisten, dass es ganz viele Hände sind, die zu diesem Ergebnis beitragen.“
Um selber nichts von dem zu verpassen, was hinter den Kulissen des Städtischen Krankenhauses passiert, war die Studentin während der vergangenen Wochen an jedem Morgen um kurz nach fünf Uhr aufgestanden und aus dem heimischen Obernheim-Kirchenarnbach nach Pirmasens gefahren. „Ich war um Punkt Sieben bei den Frühbesprechung dabei und durfte die Chefärzte anschließend bei der Visite begleiten“, erzählt Schmitt. Auch bei dem OP-Programm der vier chirurgischen Abteilungen hatte die Studentin den Chefärzten der Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie (CA Dr. Georgios Adamidis), Gefäßchirurgie (CA Dr. Martin Hartmann), Unfallchirurgie und Orthopädie (CA Dr. Tobias Kessler) und Plastische- und Handchirurgie (CA Dr. Ute Deubel), über die Schulter geschaut. Besonders beeindruckt hatte die junge Frau dabei, „dass das alles wirklich funktioniert.“ Es sei „total schön“ wenn man erlebt, „dass dort, wo eben noch Krankheit und Schmerzen waren, einen Augenblick später das Leben funktioniert“. Die Chirurgie sei, davon ist Anne Schmitt überzeugt, eine faszinierende Form der Medizin.
„Diesen Eindruck mit in den Studienalltag zu nehmen, ist das Ziel der Famulaturen am Städtischen Krankenhaus“, erklärt Geschäftsführer Dipl. oec. Martin Forster. Gemeinsam mit Oberarzt Dr. Markus Naumann, den Chefärzten und Krankenhausdezernent Peter Scheidel war das Konzept entstanden, das angehenden Medizinern ein Bild von der Vielfalt des Arztberufes und den Möglichkeiten der Arbeit am Städtischen Krankenhaus Pirmasens vermittelt.
„Wir haben uns zu diesem Thema lange Gedanken gemacht “, erklärt Dr. Naumann: Heraus gekommen ist dabei, neben dem kombinierten Angebot aus Famulatur-Praktikum mit theoretischem Unterricht, unter anderem ein Stipendium für Medizinstudenten, die finanziell durch das Städtische Krankenhaus Pirmasens gefördert werden. „Das Stipendium ist eine feine Sache, aber solche Überlegungen haben bei mir noch eine Menge Zeit“, sagt Anne Schmitt, die es beinahe bedauert, den spannenden Krankenhaus-Alltag zum 1. April wieder mit Unibibliothek und Hörsaal vertauschen zu müssen. In jedem Fall sei es gut zu wissen, dass es „gleich um die Ecke“ ein Krankenhaus gibt, bei dem Nachwuchsförderung mehr ist als nur ein Wort.


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