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Wirtschaft | 06.04.2010 23:34  Drucker

Deutschland ist überindustrialisiert - Bundesregierung setzt falsche Akzente in der Wirtschaftspoli


Deutschland ist überindustrialisiert - Bundesregierung setzt falsche Akzente in der Wirtschaftspoli

Düsseldorf/Berlin - Nach Prognosen der Wirtschaftswoche steht die deutsche Industrie in den kommenden Jahren vor den stärksten Veränderungen. Im Vergleich zu den USA seien wir überindustrialisiert. Nur 13 Prozent des Bruttoinlandsproduktes entfielen in den USA vor dem großen Wirtschaftseinbruch auf das verarbeitende Gewerbe. In Deutschland sei der Anteil fast doppelt so hoch. „Noch immer hätten deutsche Industrieunternehmen weniger Dienst- und Produktionsleistungen ausgelagert. Das dürfte sich jetzt ändern", orakelt die Wirtschaftswoche. Um aus dem Tal der Tränen wieder aufzusteigen, müssten die Industrieunternehmen ihre gesamte Produktionsstrategie umkrempeln, um künftig Krisen besser abfedern zu können.

Das habe weitreichende Folgen für den Produktionsstandort. „Fertigte ein Unternehmen bisher zu 60 Prozent in Hochlohnländern wie der Bundesrepublik, werden dies von 2011 an eher 50 Prozent sein", prophezeit nach dem Wiwo-Bericht der McKinsey-Berater Harald Proff. Wachstum finde meist über die Verlagerung auf Outsourcing-Spezialisten statt: „Nach meiner Erfahrung ist diese Prognose sogar sehr konservativ. Die Konsolidierung der deutschen Industrie wird noch deutlicher über die Auslagerung von Aktivitäten verlaufen, die nicht zu den Kernkompetenzen der Unternehmen gehören. Man wird sich stärker auf die Forschung, Entwicklung, Produktveredelung, User Interface, Design, Marketing und Vertrieb konzentrieren - wie es beispielsweise Apple seit Jahren perfekt vorlebt. Alles andere werden externe Spezialisten erledigen", so der After Sales-Experte Peter Weilmuenster, Vorstandschef von Bitronic.

Entsprechend falsch seien Signale der Wirtschaftspolitik, über Subventionen Konzerne zu stützen, die sich immer noch auf die klassische Massenfertigung ausrichten. „Um ein robustes Wachstum zu erreichen, dürfen wir die traditionellen Industriezweige nicht mit kurzfristig wirkenden Steuermitteln versorgen mit einer nur geringen Halbwertzeit. Damit verschleppt die Bundesregierung wichtige Umstellungsprozesse", kritisiert Weilmuenster. Jetzt sei eine Wirtschaftspolitik gefragt, die von überholten Produktionen abgeht und zielstrebig auf eine innovative Umgestaltung der Volkswirtschaft hinarbeitet. „Das Konjunkturpaket der Regierung ist überwiegend das Ergebnis defensiver Strategien. Wenn wir mit den gigantischen Budgetdefiziten in den nächsten Jahren keine ordentlichen Wachstumsraten auf die Beine stellen, wird sich das in Zukunft destabilisierend auf die Konjunktur auswirken", prognostiziert der Bitronic-Chef.

Siehe auch:

Service-Ökonomie ist krisenresistent - Warum wir uns von der Industrie-Nostalgie verabschieden sollten.

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Quelle: ne-na.de
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