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Gesundheit | 08.11.2009 13:07  Drucker

„Schwarze Löcher“ im Herz bieten unerforschte Welten für Fachärzte und Patienten


„Schwarze Löcher“ im Herz bieten unerforschte Welten für Fachärzte und Patienten

Unglaublich, aber wahr: Mindestens jeder fünfte Erwachsene lebt mit einem Loch im Herzen, dem persistierenden Foramen Ovale (PFO). Während ein Großteil der Betroffenen die anatomische Besonderheit niemals bemerkt, kann sie bei anderen zu dramatischen und teilweise lebensgefährlichen Folgen führen. „Wir gehen davon aus, dass etwa die Hälfte aller Schlaganfälle bei Jugendlichen auf das PFO zurückzuführen ist“, sagt Dr. Benno Hennen, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin – Kardiologie am Städtischen Krankenhaus Pirmasens. Die einfache Herzkatheter-Behandlung, bei der das PFO - vergleichbar dem Aufspannen eines Sonnenschirms - verpfropft wird, ist in Pirmasens ein Routineeingriff.

Dabei hat das kleine Loch zwischen dem linken und dem rechten Herzvorhof bei noch ungeborenen Kindern seine Berechtigung, denn es ermöglicht den Blutübertritt vom Lungenkreislauf in den Körperkreislauf. Was aber bei Föten lebensnotwendig ist, weil die Lunge erst nach der Geburt belüftet wird, verkehrt sich im Laufe des Lebens ins Gegenteil. Dann nämlich gibt es einen ungewollten Übergang zwischen den beiden Blutkreisläufen. Deshalb schließt sich das Loch bei 75 bis 80 Prozent aller Menschen in den ersten Wochen nach der Geburt.

Zwar rät Dr. Hennen davon ab, angesichts der Möglichkeit eines Lochs im Herzen in Besorgnis oder gar in Panik zu verfallen, es gibt aber Risikogruppen, bei denen die Operation dringend angeraten ist. Dazu gehören Schlaganfallpatienten, weil das PFO die Wahrscheinlichkeit für einen Folgeanfall zu erhöhen scheint. Ebenso kann das Herzkammer-Loch bei Gerätetauchern zu dramatischen Konsequenzen führen, weil bei dem Druckausgleich Mikroblasen in das arterielle System übertreten können.

„Die Medizin beginnt gerade erst, die Auswirkungen des PFO auf den Menschen intensiv zu untersuchen“, erläutert Dr. Benno Hennen. Dabei kommen erstaunliche Ergebnisse zutage. So scheint der Verschluss des Herzlochs bei vielen Migränepatienten für ein Nachlassen der Beschwerden zu sorgen. Auch scheint das PFO bei Krankheiten mit Hirnleistungsschwächen, etwa der Demenz, eine Rolle zu spielen. Viele kleinere Unannehmlichkeiten, wie beispielsweise Probleme, in bestimmten Seitenpositionen zu schlafen, könnten auf das PFO zurückzuführen sein.

Die Diagnose, wer zu den Menschen mit PFO gehört, ist nach Aussagen des Chefarztes mit einer Ultraschalluntersuchung zu stellen. „Nach der Erkenntnis, dass ein Patient diesen Herzfehler hat, gilt es abzuwägen, ob anschließend eine korrigierende Operation erfolgt.“ Diese kann beispielsweise bei Migränekranken angeraten sein. Allerdings warnt der Mediziner davor, mit zu hohen Erwartungen in die Klinik zu kommen: „Bisherige wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass es bei bestimmten gesundheitlichen Problemen wie Migräne nach der Operation zu einer deutlichen Verbesserung der Lebenssituation kommen kann. Eine Garantie dafür gibt es jedoch nicht.“ Wer mehr wissen möchte bekommt weitere Informationen im Sekretariat der Klinik für Innere Medizin – Kardiologie am Städtischen Krankenhaus in Pirmasens: kardiologie@kh-pirmasens.de

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